Unter dem Thema „Jesus – echt jetzt?! – Christologie neu denken“ fand vom 20. bis zum 22. November 2024 die Jahrestagung der Religionslehrkräfte an allgemeinbildenden Gymnasien statt.
Die Vortragenden widmeten sich sowohl der Suche nach heutigen Zugängen zu Jesus als dem Christus wie auch der Frage nach der Vermittlung, oder besser nach der Aktualisierung der Präsenz Jesu unter den Bedingungen einer sich rasant verändernden Welt.
Prof. Dr. Thomas Söding nahm unter dem Titel „Die Bilder der Evangelien, die Reflexe der Geschichte und die Perspektiven des Glaubens“ die Teilnehmenden mit auf eine Expedition zu verschiedenen biblischen Miniaturen, die die Evangelien von Jesus entwerfen. Dabei gelang es ihm immer wieder anhand verschiedener Perspektivwechsel die Spiegelungen Jesu in den Evangelien neu und überraschend zu verdeutlichen.
Mit Prof. Dr. Karlheinz Ruhstorfers Vortrag „Zur fundamentalen Relevanz der Person Jesus von Nazaret für Theologie und Glaube“ gelang ein, im besten Sinne, fundamentaler Blick auf die Vorstellungen und Rekonstruktionen der Präsenz Jesu, ausgehend von den biblischen Zeugnissen über die aktuellen Debatten um das dogmatisch „richtige“ oder angemessen kontextualisierte Jesusbild bis hin zu einem Jesus, der als Muster der kritischen Selbstwerdung von Individuen und Gesellschaften bleibend wirksam und wichtig sein kann.
Prof. Dr. Burkard Porzelt wandte sich in seinem Vortrag mit dem Titel „Christus elementar – eine (religionspädagogische) Spurensuche“ der Christologie unter unterrichtspraktischen Vorzeichen zu und konstatierte ein Verblassen der Christusfigur in der gegenwärtigen Kultur. Beim Blick auf die Glaubensvorstellungen der Zeitgenoss*innen stehe besonders die Gottesfrage im Fokus und nicht die Christusbeziehung und das obwohl liturgisch wie auch dogmatisch der Christusbezug besonders betont wird. Die Figur Jesu in modernen Medien werde z.B. in der Serie „The Chosen“ zunehmend historisierend inszeniert und setze auf eine Direktheit der Wirkung, die sich aus theologischer und exegetischer Sicht nur als naiv beschreiben ließe. Gleichwohl ermutigte er die Teilnehmenden, dass es sich nach wie vor lohne, sich in humaner wie christlicher Hinsicht mit Jesus und seinen Figurationen auch in den modernen Medien auseinanderzusetzen. Hier gelte es den Forscher*innengeist der Schüler*innen zu wecken und gemeinsam, fremde oder fremd gewordene Welten zu erkunden.
Auf Einladung des VkRF, der in diesem Jahr sein 70jähriges Jubiläum feierte, bereicherten Urs von Wulfen und Markus von Hagen als Duo der „3Uneinigkeit“ den Donnerstagsabend und setzten im Anschluss des festlichen Abendessens, das dankenswerter Weise auf Einladung der Erzbischöflichen Ordinariats stattfand, einen kabarettistisch-satirischen Akzent, der, scharfzüngig und theologisch fundiert, so manche Widersprüche im Raum der Religion und beim Bodenpersonal des lieben Gottes aufs Korn nahm.
Der konstruktive und wertschätzende Austausch mit den Verantwortlichen für den Religionsunterricht in Kirche und Staat, allen voran Frau Ordinariatsrätin Orth und Herrn Weihbischof Birkhofer, bot den Teilnehmenden die Gelegenheit ins Gespräch zu kommen und gemeinsam auf die Entwicklungen und Veränderungen zu schauen, die gerade uns als Religionslehrkräfte bewegen.
Herzlich gedankt sei allen, die sich bereiterklärt haben, die Vielzahl an Workshops für die Kolleg*innen vorzubereiten und durchzuführen – diese sind jedes Jahr ein Highlight der Tagung.
Ebenso herzlich laden wir Sie zur nächsten Jahrestagung ein, die unter dem Titel „Gesichter des Christentums heute – Beiträge des Religionsunterrichts zur Demokratiebildung“ vom 19. bis 21.November 2025 im Bildungshaus St. Bernhard stattfinden wird.
Tobias Kampmann (IRP)
